Kurt Tucholsky

2013_sept_augsburg-3

Wenn du zur Arbeit gehst
am frühen Morgen,
wenn du am Bahnhof stehst
mit deinen Sorgen:
da zeigt die Stadt
dir asphaltglatt
im Menschentrichter
Millionen Gesichter:
Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider –
Was war das? vielleicht dein Lebensglück…
vorbei, verweht, nie wieder.

Du gehst dein Leben lang
auf tausend Straßen;
du siehst auf deinem Gang, die
dich vergaßen.
Ein Auge winkt,
die Seele klingt;
du hast’s gefunden,
nur für Sekunden…
Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider –
Was war das? Kein Mensch dreht die Zeit zurück…
Vorbei, verweht, nie wieder.

Du mußt auf deinem Gang
durch Städte wandern;
siehst einen Pulsschlag lang
den fremden Andern.
Es kann ein Feind sein,
es kann ein Freund sein,
es kann im Kampfe dein
Genosse sein.
Er sieht hinüber
und zieht vorüber …
Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider –
Was war das?
Von der großen Menschheit ein Stück!
Vorbei, verweht, nie wieder.

„Ich bin ein Berliner!“ Dieser Ausruf hätte genauso gut von Kurt Tucholsky stammen können. Der Dichter kam 1890 in der Metropole zur Welt. Ein geborener Großstadtmensch also im wahrsten Sinne des Wortes. Immer wieder machte er sie zum Thema seiner Gedichte – man könnte im Falle der Großstadt-Augen auch schreiben: Seiner Lieder. Dieses Liedgedicht, das mit seinem wiederkehrenden Refrain einen eigenen Rhythmus hat, singt eine bittersüße Melodie vom Großstadtleben, von der Flüchtigkeit der Begegnungen.

Dieses entstand 1930 – in dem Jahr, als Tucholsky sich entschloss, dauerhaft ins Exil zu gehen. 1935 nahm er sich in Schweden – fern von seinem geliebten Berlin – das Leben. So könnte man das Lied auch als herbsüßen Abschied von einer eigenartigen, flatterhaften Geliebten interpretieren: Augen-Blicke in einer hektischen, pulsierenden Metropole, flüchtige Begegnungen, Verheißungen, das sich Finden und Vergehen. Die Großstadt als unbeständige, unnahbare Gefährtin, die Einsamkeit in der Masse.

Tucholsky steht hier auch in einer Tradition der Expressionisten und der Literaten, die die Stadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts zum Thema machten – exemplarisch dafür der 1929 veröffentlichte Roman „Berlin Alexanderplatz“ von Alfred Döblin.
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Der Mensch

Jeder gehört zu dieser Sorte
Tiere und Pflanzen bleiben ohne Worte
Gedanken kann man selten hören
nur ahnen, dass sie uns verstören
nie mehr zwischen Himmel und Hölle schweben
gelobtes Single leben
Gitter um das das eigene Ich
während Sehnsucht nach dem Wir verblich
©dodo

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April weather in Komi 2015/ April, April, der macht, was er will

While fb is full of flower photos in many countries, Finland is delighted abput the early signs of spring-

Die Natur will Regen. Hier ist er…
April

Die Ameisen erwachen zu unglaublicher Aktivität.
Ameisen erwachen

Ein echter Seidelbast steht unerkannt am Waldrand und hat sogar einen Ableger gebildet.
wilder Busch

Die ersten blauen Blueten läuten den Fruehling ein.
Erste Blueten im Aril

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Schlaflos bei Vollmond

fullmoon1

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Osterspaziergang – Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!

EASTER15 RULLEOstern2015 bOstergenusss15x
Liebe ist…..

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Sonnenuntergang im Februar

sky on16.2.15

sun is behind the horizont
sunset7.2.151
skyon 17.20 7.2.15x
sky17.20 am 7.2.16

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Fruehling in Finnland

Der Lenz wird von finnischen Nasen bereits im Februar wahrgenommen, wenn der Deutsche sich angesichts des vielen Schnees immer wieder seine rote Nase schneuzt. Unverständnis auf beiden Seiten, denn finnischer Optimismus, trifft auf deutsche Wahrheitsliebe. Immerhin lerne ich, “dass der
Schnee von gestern, den von heute tötet.” Das besagt ein finnisches Sprichwort und jeder Finne glaubt daran, obwohl es noch bis in den April weiter schneit und sich Schneefall und Trockenperioden munter abwechseln.
Immerhin verändert sich das graubraune Strassenbild vorsichtig in vereinzelte bunte Tupfer.Winter bedeutet fuer den gewöhnlichen Finnen, herabgezogene Mundwinkel, muerrische Wortkargheit, in sich gekehrte Eiligkeit mit gesenkten Kopf. Kommunikation ist sowieso nicht ihr Talent.Unsichtbar hängt an ihnen das Schild:”Sprich mich ja nicht an”. Der nur fuer Finnen verständliche Tag X verändert alles. Alle sind ueberzeugt. “es riecht nach Fruehling”. Und damit beginnt eine wundersame Veränderung des finnischen Menschen. Sie sprechen und sie lachen! Die meist runden finnischen Gesichter ähneln frappierend nun den lachenden emoticons. Single sucht und findet single, denn zu zweit macht der Fruehling eben eberall mehr Spass.Nur fuer mich frierende Deutsche dauert die Inkubationszeit bis zum Fruehlingsausbruch noch etliche Wochen.
© dodo
Schneeglöckchen

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