Die Einladung

Vorurteile 1958


Man spricht nicht drueber,
denn man hat’s.
Nur Neureichs prahlen mit Penunze.

Wer hat wieviel, wofuer, woher,
warum hat es Bedeutung?
Man muss schliesslich wissen, mit wem man verkehrt!

Geruch geleerter Fische begleitet sie,
Diorseife verschwenderisch in alle Koerperfalten verrieben,
doch der Tischnachbar beharrlich schweigt.

Sein Jackett glaenzt blank,
der Untergrund schimmert hell, vielleicht ist’s nur das Licht.
Er parliert geschickt mit wem er steht auf gleicher Hoeh’.

Der eine sieht von unten hoch,
der and’re von oben ‘runter,
beide fuehlen Ungemach.

Das Buffet zeigt zermatschte Reste.
Man ahnt, der Kaffee laesst nicht schlafen in der Nacht,
die Zigarre reizt den Schlund.

Wortlos sind sich beide einig,
war es wert zu zeigen, dass man wer ist?
Na dann bis naechstes Mal
.

©dodo

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Der Baum

Nackt, entbloesst vom sommerlichen Ich
Purzelbaeume tanzten seine Blätter, gelb und rot
nur sein Skelett nicht wich.

Am Ende blieb fuer’s Laub der Tod
Herbststuerme fegten durch’s Geäst,
Ueber Nacht der Regen kam
von bunten Blättern bleibt ein kleiner Rest
die Pracht ertraenkt, das Wasser nahm
die Lust am Tanz im Wind
schmutzig, schwer vom Matsch am Boden liegend
der Baum steht nackt und grau, weiss nicht, wo die Blaetter sind.

traeumt, wenn junges Gruen sich in Lueften wiegend
Voegel zwitschern, plustern ihr Gefieder
flattern hier und da vor Liebe blind, Zweiglein im Schnabel
dem Nestbau folgt, wie alle Jahre wieder
die Nachzucht, des Lebens Nabel.

Gegenwart laesst nichts Bedauern,
waehrend Sonne legt ein Glitzern ueber duerre Zweige,
laesst Eis und Schnee sich in Windwehen kauern,
Spitzmäuse knabbern suesse Beeren, gehen nie zur Neige;
Auch Voegel lieben sie im Kuhlschrank der Natur,
wenn gegorener Saft sie selig auf den Ruecken fallend,
Winter, Schnee, Sonne pur
der Baum er schweigt, wenn Voegel lallend.
taumeln von Zweig zu Ast,
ist froh,
wenn er goennt ihnen ihre Rast,
wenn er gebraucht wird, so oder so.

©dodo

Zukunft

Geliebtes Leben
geschenkt dem Neuen, dem just Geborenen.
Was wirst Du machen aus der Spanne
vom Leben zum Tod?
Gehoerst Du zu den Erkorenen,
oder schlaegt Dich Herkunft in des Armuts Banne?
winkt Dir die Zukunft in Daunen gebettet, rosarot?
Eltern, hier wie dort wuenschen Dir das Beste
traeumen, Du wirst Arzt oder studierst die Rechte
heiratest eine schoene Frau.
In manchen Momenten ahnen diese, fuer unsereins gibt’s nur Reste
vom Kuchen des Lebens.
Auf ihrer Autobahn des Lebens ist immer Stau.
In der Schule ihresgleichen und viele Alis, Mustafas
wer lernt von wem?
Am Ende sprechen alle 200 Worte deutsch, der Ali wie der Klaas.
Lehrer lehren Rechnen, Schreiben etwas von dies und dem,
Sind resigniert, sind wuetend, deprimiert, manche geben auf
so nimmt die Dummheit ihren Lauf.

Sieht man zum Sproessling weit entfernt in der besseren Strasse
auch seine Eltern wuenschten ihm das Beste
suchten seine Schule wohlbedacht, ganz nach ihrem Maasse.
Sein erster Schultag, mit Oma, Opa, Tanten und Onkel feiern sie ganz feste,
die Schultuete bunt und gross, taeuscht allerdings nur kurz,
Freiheit adé, Fussball nur noch selten,dafuer Geige, das muss sein.
Sport, Musik und Bildung wird zum kuenftig Zeitvertreib, welch ein Sturz!
Der Sproessling weiss jetzt, “Daddy ist wer”, gab nie auf
so muss er sein, wenn nicht mehr klein.
So nimmt die Karriere ihren Lauf.
©dodo 2012