Zyklus Hamburg 1943 III


Bananen fuer den Sieg

“Was ist los? Warum weint meine Mutter?
Warum kam der Vater ohne Lächeln? Warum antwortet mir niemand?”
“Geh spielen. Hier iss das Brot, ich hatte noch Marken fuer etwas Butter”.
Die Mutter schloss die Tuer. Ich war draussen, wo niemand meine Angst verstand.
Es war schon dunkel, als mein Vater kam, mich zaertlich in seine Arme nahm
“Ich geh jetzt als Soldat, kämpfe fuer den nahen Sieg”
“Bleib einfach hier”, sagte ich als das Weinen kam,
“Ich bringe Dir eine Staude Bananen aus einem fernen Land”. “Toll”, fluesterte ich, dann flieg”
“Siehst Du am Himmel den kleinen Wagen? Immer, wenn Du ihn siehst, sehe ich ihn auch”.
Die Bananen brachte er viel spaeter nicht. Nur letzte Kruemel in einem khakigruenen Sack,
Der Krieg ging verloren, Versprechen blieben Schall und Rauch.
Vater und ich sehen auf den kleinen Wagen, denn ihm fehlt nichts von seinem Lack.
©dodo
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Zyklus Hamburg 1943 IV

Alpträume

Was wollt ihr? Ihr seid schon lange graue Geschichte,
will vergessen, worueber niemand je sprach,
ueberwinden will ich durch Gedichte
die Eltern wollten nur vergessen woran ihr Leben fast zerbrach.
Hitler stahl ihnen die Freuden der Jugend
bangten um ihr Leben, Hab und Gut
waren jahrelang Soldat und Braut voll deutscher Tugend
im Reich es hiess, “die deutsche Mutter hat Kraft und Mut”.

Kinder wurden Greise bevor sie des Lebens Freude merkten
Still war es um sie, abgedunkelt die Raeume
Nur Warten auf die Sirene deren Toene die Ängste verstaerkten
Mutter sagte: “Gute Nacht, ich wuensch’ Dir schoene Träume”.
“Was ist schoen”? fragten die Kinder
Mutter erzählte von Lachen, Juchzen, vor Freude beben
während ihre Tränen rannen immer geschwinder
“im Frieden wird’s das wieder geben”.
“Was ist Frieden?” fragten die Kinder.
©dodo