Fuer meine geliebte Tochter Maj


Du solltest nicht gezeugt werden.
Ich habe um Deine Zeugung zwei Jahre lang mit allen Tricks gekämpft. Dein Grossvater und sein bester Freund – Chef vom Dienst bei der “Welt”- haben dafuer gesorgt, dass Peter 100.- DM Gehaltserhöhung bekam. Damit entfiel sein Argument “wir haben kein Geld fuer ein zweites Kind.”
Der Brief kam am 17. Dezember 1962. Nenn es Glueck oder Schicksal, dass ich an diesem Tag fruchtbar war, denn am selben Tag wurdest Du gezeugt.
Dich zur Welt zu bringen, war wie ein wunderschöner Spaziergang in einer Zauberlandschaft.
Nach drei Tagen wurdest Du lebensbedrohlich krank und kamst mit Blaulicht in die Kinderklinik St. Juergenstrasse in Bremen. Nach einer quälenden, dreiwöchigen Krankenhauszeit, sollte ich Dich endlich nach Hause holen können. Wir haben endlos lange auf Dich gewartet, als der Arzt sagte, Dein Zustand hätte sich wieder verschlechtert und Du muesstest im Krankenhaus bleiben.
Als ich anfing darauf zu bestehen, Dich mitzunehmen, ist Peter gefluechtet. Er wurde nicht mehr gesehen.
Nachdem ich eine Stunde lang fuenf Ärzten und der Stationsschwester stereotyp gesagt hatte, “ich will mein Kind”, haben sie aufgegeben.
Zuhause begann der Kampf um Dein Leben. Tag und Nacht habe ich Dich gestillt, wobei ich ein ziemlicher Versager darin war. Deine Windel enthielt sechs Monate lang nur glasig, farblosen Schleim. Deine duenne Haut schimmerte blau. Dein Gewicht war immer noch dasselbe wie bei Deiner Geburt.
Der Kinderarzt, ein 80jähriger Balte aus Volksdorf, kam täglich und predigte, dass nur Muttermilch und Gymnastik bei minus 15 Grad im Garten Dein Leben retten könnte. Ich habe es lieber bei offenem Fenster im Babyzimmer gemacht. Die Nachbarn hätten sonst sicher die Fuersorge geholt.
Du warst ein langsam dahin siechendes blaues Baby mit kläglich duenner Stimme.
In meiner Verzweiflung habe ich nach sechs Monaten einen Griessbrei mit geschlagener Banane gemacht, in dem der Teelöffel stand. Mein Herz schlug mir bis zum Hals, als ich Dir Löffel fuer Löffel diese Pampe eintrichterte. Danach habe ich neben Deinem Bett gewartet, ob ich Dich jetzt umgebracht habe. Stunden später habe ich Dich gewickelt. Darin war ein duenner bräunlicher Faden. Nie war ich gluecklicher als bei diesem Anblick. Ich habe geweint und gelacht zugleich und wusste, dass ich das niemandem erzählen kann, falls Du doch noch kollabierst.
Von da an habe ich Dir täglich morgens, mittags, abends und nachts Griessbrei mit Banane gefuettert. Du nahmst in einer Woche 300 Gramm zu, was viel zu viel war. Doch der Kinderarzt lobte mich: “Habe ich nicht gesagt, nur Muttermilch rettet ihr Kind”? Er hat es nie erfahren, was Dich gerettet hat.
Drei Jahre später war ich wieder in der Geburtsklinik, wo Berit geboren wurde. Derselbe Arzt, der auch Dich damals verarztete, war fuer sie zuständig. Plötzlich sagte er, das waren doch
sie, die immer nur wiederholte: “ich will mein Kind”. Wie lange hat das arme Baby denn noch gelebt? Ich habe nur wortlos Dein Foto umgedreht, das auf meinem Nachttisch stand.
Voller Stolz habe ich ihm dann von meiner wundervollen Tochter erzählt.

Wie schön, dass Dein Leben heute so gluecklich ist, wie ich es mir immer fuer Dich gewuenscht habe.
Ich habe Dich unsäglich lieb,
Deine Mami
dodoboat11
Komi, Finnland

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