Nach dem Tod kam der Wohlstand

“Hitler war ein Schwein”
Opa sagt nein
Vater mag schon sein
Mutter stimmt ein: “aber die Moral war rein”.
die Tante säuselte “Adolf, mein Sohn sei Dein”
1000 Jahre sei’s Grossdeutsche Reich und niemals wieder klein!

73 Jahre sind vorbei, ohne Krieg und Tote
plötzlich galten wieder die zehn Gebote
Playboy, Rock’n Roll und manche Zote
die DDR war unbequem, der Westen fuechtete die Gefahr, die rote
Wohlstand kam und manchmal ging, Bildung kam und schwand, Langeweile drohte.
Literatur, Theater, Haydn oder Bach vergessen oder nie gelehrt, die Jugend drueber verrohte
Politiker und ihre Wahlen sind nur öd, Spiesser und Alte besuchen sie zur Not
Und jeder weiss, dieser Stillstand ist des Wohlstands tot.
Drum ruehrt euch, glaubt wieder an Zukunft, wacht auf – Hergott, Tod und Zapperlot!

© dodo 2018

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Gedichte


she11

MENSCHENBILDER

Nuetzlicher Idiot

Seht nur,mich zu lieben, ist ganz leicht

bin ohne Meinung, einfach pur, man nennt mich seicht,

Widerspreche nie,

Diskussionen ich entflieh
sag immer ja,
was ich auch sah,
will nicht Farbe bekennen,
Fehler beim Namen nennen.
Ist es Liebe, was ihr fuehlt fuer mich?
oder ein Gedanke, der mich beschlich,
bin nur ein nuetzlicher Idiot?
Will seh’n die Welt in rosarot.

© dodo

Winterzauber

Winterzauber
Sonnenschleier schimmern schwach durch Zweige,
auf dem Geäst der Schnee sich tuermt,
Meisen zirpen leise, Natur spielt ihre Geige
Bin froh, dass es nicht stuermt
der grosse Zeiger steht ganz still.
Schneeflocken tanzen langsam nieder
Zufall formt sie wie er will
vereinigt sie mit anderen wieder;
kein Windhauch stört den Zauber
© dodo

Stille
Vor mir der Wald
schneebedeckt schluckt er jeden Schall
Fruehling kommst Du bald
mit Vogelruf, während Kinder spielen mit dem Ball
Noch knirscht der Schnee unter meinen Fuessen
Winterwind weht, mein Gesicht wird kalt
Spitzmäuse naschen unterm Schnee von Beeren, den suessen
von weit her unsichtbar ein Hund bellt hell
jagt wohl ohne Herrn, Spurlaut verrät seinen Weg
Herrchens Pfeife schallt im Wald ganz grässlich grell
Vorbei die Minuten der Stille, zurueck zum Leben auf schmalem Steg
vorn gruesst schon die wohlbekannte Stimme
freudig kehre ich zurueck aus meiner Stille, bleibt sie mir doch fuer morgen
der kleine Berg, den ich erklimme
bringt mich zu ihr nach Hause, ganz ohne Sorgen.
©dodo

 

“Der Panter” von Rainer Maria Rilke

Lebenslang begleitend, beruehrt mich dieses Gedicht von Rainer Maria Rilke immer wieder.

Der Panter

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

Rainer Maria Rilke, 6.11.1902, Paris

Hilfe, die Fremden kommen

Hilfe, die Fremden kommen

Wir lieben unser täglich Einerlei
bumsen, pennen, malochen, futtern,
neugierig lauschen nachbarlicher Streiterei,
Schweinebraten sonntags bei Muttern
Dann Fussball, Glotze, Bier.
Kennen alle und jeden
Menschen sind wie unsereins hier

Verwechseln, so sagt man, mein und deins.
Vermummen sich ganz schwarz, sehen aus wie Raben.
von Minaretten Allahs Ruhm erschallt, so scheint’s
Schwarze Augen aus schmalen Schlitzen Furcht uns gaben
Mädchenbeine, offene Haare, Musik macht sie geil,
treten Hunde, unsere Freunde, die wir lieben.
Unsere Häuser brauchen Zäune, hoch und steil,
denn schuetzen muessen wir uns vor fremden Dieben.

Die Zeit vergeht. Ali ist nun Chef, Boss fuer vierzig Mann
Seine Kinder sprechen Deutsch, gehen mit unseren zur Schule
manchmal tauschen wir Rezepte, zeig der Frau, was sie nicht kann,
sind vielleicht doch nicht schlecht, akzeptieren sogar Schwule
Unser Land wurde bunter
lauter oft, Knofel riecht bis auf die Strasse
aber es geht bergauf. ihre Bräuche ziehen uns nicht runter,
ganz ehrlich mal, Kohl stinkt doch fuer sie im selben Maasse.

dodo

Der Mensch

Jeder gehört zu dieser Sorte
Tiere und Pflanzen bleiben ohne Worte
Gedanken kann man selten hören
nur ahnen, dass sie uns verstören
nie mehr zwischen Himmel und Hölle schweben
gelobtes Single leben
Gitter um das das eigene Ich
während Sehnsucht nach dem Wir verblich
©dodo