Ich liebe das Leben
aber liebt das Leben mich auch?
Frueher da war das Beben,
die Schmetterlinge im Bauch.
moechte freudvoll noch in euerer Mitte sein,
will meine alten Knochen loben,
noch einmal sein wie ein Kind so klein,
ausgelassen durch welkes Laub toben
Traeume sollen Wahrheit werden,
noch einmal den Anfang wagen, alles besser machen
ich will, ich will noch bleiben auf dieser Erden,
trunken hingegeben an mein froehlichstes Lachen.
Will allen danken,, die mich begleiteten eine Spanne lang
die Liebe gaben und empfangen,
manchmal war ‘s vergebens, dass ich um ihre Liebe rang,
verzeiht, um meine Besserung muesst ihr nicht bangen.
Wolke sieben ist mein Ziel,
trotz Hoehenangst, ich werd’ s erklimmen.
Und scheint der Himmel wolkenlos blau, aus dem ich fiel
Dann hoert mich, meine Hunde, und unsre Stimmen.
@ dodo

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EUROPA

Hitlers Vernichtungswille liess uns ueberleben

seine Erben, unsere Eltern, wollten glauben

wussten nur nicht woran,
wollten im Vergessen schweben

nur nicht erkennen, wo die Wahrheit begann.

Sie durften ihn nicht mehr lieben,
wolllten ihn nicht verdammen, oder doch?

zwischen Tränen und Resignation ihre Tage starben.

Wir Töchter und Söhne wollten unsere Zukunft

ein Morgen ohne deutsches Heer

ohne gestrigen Sumpf

wollten Menschen aller Couleur und noch viel mehr

wir tagten und redeten, strebten und hofften

EUROPA muss her.

Das war 1967 und heute 2017 sind 50 Jahre vertan

Europa gibt es weniger denn je

was als Traum begann

schuf wieder Zäune, Grenzen

Europa ade!

©dodo

“Der Panter” von Rainer Maria Rilke

Lebenslang begleitend, beruehrt mich dieses Gedich von Rainer Maria Rilke immer wieder.

Der Panter

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

Rainer Maria Rilke, 6.11.1902, Paris

Hilfe, die Fremden kommen

Hilfe, die Fremden kommen

Wir lieben unser täglich Einerlei
bumsen, pennen, malochen, futtern,
neugierig lauschen nachbarlicher Streiterei,
Schweinebraten sonntags bei Muttern
Dann Fussball, Glotze, Bier.
Kennen alle und jeden
Menschen sind wie unsereins hier

Verwechseln, so sagt man, mein und deins.
Vermummen sich ganz schwarz, sehen aus wie Raben.
von Minaretten Allahs Ruhm erschallt, so scheint’s
Schwarze Augen aus schmalen Schlitzen Furcht uns gaben
Mädchenbeine, offene Haare, Musik macht sie geil,
treten Hunde, unsere Freunde, die wir lieben.
Unsere Häuser brauchen Zäune, hoch und steil,
denn schuetzen muessen wir uns vor fremden Dieben.

Die Zeit vergeht. Ali ist nun Chef, Boss fuer vierzig Mann
Seine Kinder sprechen Deutsch, gehen mit unseren zur Schule
manchmal tauschen wir Rezepte, zeig der Frau, was sie nicht kann,
sind vielleicht doch nicht schlecht, akzeptieren sogar Schwule
Unser Land wurde bunter
lauter oft, Knofel riecht bis auf die Strasse
aber es geht bergauf. ihre Bräuche ziehen uns nicht runter,
ganz ehrlich mal, Kohl stinkt doch fuer sie im selben Maasse.

dodo

Der Mensch

Jeder gehört zu dieser Sorte
Tiere und Pflanzen bleiben ohne Worte
Gedanken kann man selten hören
nur ahnen, dass sie uns verstören
nie mehr zwischen Himmel und Hölle schweben
gelobtes Single leben
Gitter um das das eigene Ich
während Sehnsucht nach dem Wir verblich
©dodo