Winterzauber

Schnee im Geäst

Winterzauber
Sonnenschleier schimmern schwach durch Zweige,
auf dem Geäst der Schnee sich tuermt,
Meisen zirpen leise, Natur spielt ihre Geige
Bin froh, dass es nicht stuermt
der grosse Zeiger steht ganz still.
Schneeflocken tanzen langsam nieder
Zufall formt sie wie er will
vereinigt sie mit anderen wieder;
kein Windhauch stört den Zauber
© dodo

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“Der Panter” von Rainer Maria Rilke

Lebenslang begleitend, beruehrt mich dieses Gedich von Rainer Maria Rilke immer wieder.

Der Panter

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

Rainer Maria Rilke, 6.11.1902, Paris